Unser nächstes Treffen ist
am Montag 5. Dezember 2011
20 Uhr
im
Fraktionszimmer
Kurzestr. 31
Alle die bei der ALi-Waiblingen mitarbeiten
wollen, sind herzlich eingeladen
Rede zum Haushalt 2012
Alfonso Fazio
(Alternative Liste Waiblingen)
am
27. November bei der Volksabstimmung werde ich mit Ja und somit für
den Ausstieg aus der Finanzierung des Projekts Stuttgart 21 stimmen.
Stuttgart 21 beherrscht zurzeit die politischen Diskussionen in unserer
Region. Hier kommt ganz klar zum Ausdruck, dass Stuttgart 21 gegen
den Willen der Menschen durchgesetzt worden ist. Dabei hat die Arroganz
der Macht eine große Rolle gespielt und dazu beigetragen, dass
viele Menschen jeglichen Alters zum ersten Mal in ihrem Leben auf
die Straße gingen. Dieser Art von Politik und diese Arroganz
wurde dann bei der Landtagswahl zu Recht abgestraft.
Manche Politiker lernen es nie, denn die Diskussion um den Volksentscheid
jetzt wird von manchen genau so von oben herab geführt wie bisher.
Ohne zu bedenken, dass alle Menschen, darunter auch viele, die erstmalig
in ihrem Leben die Gefahr der Wasserwerfer auf sich genommen haben,
mit entscheiden wollen. Die Argumentation der S-21-Anhänger,
darunter auch sie, Herr Hesky, dass die Gegner des Tiefbahnhofes keine
Alternativen vorzuweisen hätten, ist eine glatte Frechheit. Es
ist in der Diskussion immer wieder dargestellt worden, dass die bessere
Alternative zu S 21 die Sanierung, Instandsetzung und Modernisierung
des Kopfbahnhofes ist. Nicht nur kostenmäßig, sondern auch
technisch ist der Kopfbahnhof der Untertunnelung halb Stuttgarts klar
überlegen. Deshalb sind alle Organisationen die sich seit Jahrzehnten
für den Ausbau der Bahn einsetzen, z.B. VCD, ProBahn, BUND und
andere, für den Erhalt des Kopfbahnhofes.
In keiner Diskussion, auch nicht am Montag in der Kreistagssitzung,
wurde auf die Wettbewerbssituation unserer Stadt mit der Metropolstadt
Stuttgart eingegangen. Ich möchte hier einen Punkt ansprechen,
den Sie, Herr Hesky, in der Kreistagssitzung nicht eingebracht haben.
Der Gemeinderat der Stadt Waiblingen und auch Sie als Verwaltungsspitze
diskutieren seit Jahrzehnten, und geben viel Geld dafür aus,
um dem Kaufkraftabfluss aus Waiblingen heraus nach Stuttgart zu unterbinden
und die Kaufkraft hier in der Stadt zu behalten.
Mit der Realisierung von Stuttgart 21 und ihrer Befürwortung
sind Sie bereit, unserer Konkurrenz bessere Wettbewerbsbedingungen
zu schaffen und die Stadt Waiblingen finanziert dies mit 2,6 Millionen.
Denn Stuttgart 21 bedeutet auch, laut Befürwortern, eine Steigerung
der Einkaufsmöglichkeiten auf dem jetzigen Bahngelände.
Wenn diese Situation erst einmal eingetreten ist, werden wir wiederum
mit großem finanziellen Aufwand dagegen steuern müssen,
damit unsere Innenstädte nicht veröden.
Besonders verwundert mich, dass die Stadt Waiblingen ohne Widerspruch
akzeptiert, dass mit S21 für die S-Bahnen 2 und 3 die Endstation
Schwabstr. sein wird. Somit gibt es für Waiblingen keine direkte
S-Bahnverbindung mehr zur Universität und Flughafen. Ein klarer
Wettbewerbsnachteil für Waiblingen und ein gewichtiger Grund
für mich, am 27. November mit Ja zu votieren. Und jede Waiblingerin
und jeder Waiblinger, der es so wie ich sieht, dass wir es nicht zulassen
dürfen, mit unseren eigenen finanziellen Mitteln unsere Konkurrenz
aufzubauen, sollte ebenfalls mit Ja stimmen.
Theorie und Praxis sind und waren bei der Bahn immer zwei ganz unterschiedliche
Dinge. Wer heute glaubt, dass in 15 Jahren die Fahrstrecken und die
Fahrzeiten die sein werden, die uns von den Befürwortern von
S 21 dargelegt werden, muss viel Glauben an die Bahn und an die Politik
mitbringen. Ich bin überzeugt davon, dass in den kommenden Jahren
auf jeden Fall aufgrund von neuen Technologien es im Bahnbereich zu
Fahrzeitverbesserungen wie in der Vergangenheit immer wieder geschehen,
kommen wird. Deshalb sind die paar Minuten, die man für eine
Strecke sich eventuell sparen kann, für so ein Projekt nicht
relevant. Wichtiger ist, sich darüber im Klaren zu sein, dass
die jetzigen bereits veranschlagten Milliarden weit, weit übertroffen
werden. Ich mache nur ein Beispiel: Die Rathaus-Sanierung in Waiblingen,
obwohl im Vergleich zu S 21 nur ein klitzekleines Projekt, hat den
veranschlagten Kostenrahmen bei weitem gesprengt.
Mit der Überzeugung, dass der Landesanteil an der Finanzierung,
worum es auch bei diesem Bürgerentscheid im Kern geht, besser
für die Sanierung des Kopfbahnhofes ausgegeben werden sollte,
hoffe ich, dass das Quorum erreicht wird und eine Mehrheit für
den Ausstieg votiert. Deshalb fordere ich alle Waiblingerinnen und
Waiblinger dazu auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und am
27. November mit Ja zu stimmen!
Bürgerschaftliches
Engagement
Fortführen
möchte ich meine Haushaltsrede mit dem Dank an unsere Waiblinger
Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich in unserer
Stadt und für unsere Stadt engagieren.
Diese ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger,
sei es in sportlichen, kulturellen, karitativen Einrichtungen oder
in anderen Bereichen, verdienen unsere Hochachtung. Wir alle konnten
in den letzten Jahren feststellen, dass unsere Stadt ohne das Engagement
dieser Bürgerinnen und Bürger an vielen Stellen nicht funktionieren
würde.
Einer dieser ehrenamtlich oder bürgerschaftlich tätigen
Organisationen ist die Bürgerinteressengemeinschaft Waiblingen-Süd,
kurz BIG genannt, die jetzt auch in der letzten Woche mit dem Förderpreis
der Region Stuttgart ausgezeichnet wurde.
Diese Gruppe benenne ich nicht, um den Eindruck zu erwecken, dass
BIG die wichtigste Gruppe wäre in unserer Stadt, sondern ich
erwähne sie deshalb, weil sie dazu beigetragen hat, dass wir
den Satzungsbeschluss über die Entwicklung am Rötepark so
wie jetzt gefasst, das heißt, mit zahlreichen Anregungen und
Ideen aus der Bürgerschaft - fassen konnten.
In dieser Diskussion hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir
die Menschen in unserer Stadt grundsätzlich bei allen wichtigen
städtebaulichen Projekten mit ins Boot nehmen. Sowohl das Bauprojekt
Untere Röte als auch die Soziale Stadt insgesamt wäre ohne
die dort ehrenamtlich tätigen Mitbürgerinnen und Mitbürger
sicher so nicht gekommen. Ich weiß, manche im Gemeinderat und
manche in der Verwaltung haben den nachdrücklichen Einsatz und
die Forderungen von BIG Süd als lästig und störend
empfunden.
Doch wenn wir der Überzeugung sind, dass die Bürgerschaft
sich einbringen kann, soll und muss, müssen auch wir in der Politik
respektieren, dass es Menschen gibt, die sich für ihre Ziele
kämpferisch einbringen.
Deshalb dürfen wir diese Menschen nicht als Querulanten abstempeln,
wie dies einige gedacht haben, sondern müssen diesen Menschen
dankbar dafür sein, dass sie mit ihren Gedanken uns positiv beeinflussen
und das Gemeinwesen in unser aller Interesse nach vorne bringen.
Ausgezeichnet
mit dem Förderpreis der Region Stuttgart wurde letzte Woche auch
die Gruppe Liebelle aus Waiblingen-Hegnach, eine Gruppe, die sich
sehr engagiert für das Naturerlebnis von Kindern einsetzt. Auch
das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass es lohnt, sich in unserer
Stadt ehrenamtlich einzusetzen.
Jugendfarm
In
diesem Zusammenhang möchte ich auf ehrenamtliches Engagement
hinweisen, dass zwar von der Verwaltung positiv aufgenommen wurde,
aber nicht nachdrücklich genug:
Die Einrichtung einer Jugendfarm in Waiblingen. Die ALI-Fraktion hat
dies bereits vor mehreren Jahren mit einem Haushaltsantrag beantragt.
Ein Trägerverein mit zahlreichen engagierten Mitgliedern ist
bereits gegründet und wartet nur darauf, dass es endlich losgehen
kann. Ich hoffe und wünsche mir, dass die Verwaltungsspitze diese
Bürgerinnen und Bürger nicht enttäuscht, sondern jetzt
die Umsetzung rasch ermöglicht.
Wir sind sehr froh darüber, dass in diesem Sinne für 2012
bereits 50.000 € für den ersten Spatenstich bereit gestellt
wurden.
Jetzt
möchte ich auf nur zwei Anträge der ALI-Fraktion eingehen,
um auch darzustellen, vor den weitergehenden Haushaltsberatungen,
warum wir der Überzeugung sind, diese Anträge stellen zu
müssen.
Erstens: Kreisverkehr
Hegnacher Höhe (Klinglestalstraße)
Seit die Westumfahrung gebaut wurde, ist es unwidersprochen, dass
die Klingestalstraße leider, wie von der ALI-Fraktion bereits
beim Bau der Westumfahrung befürchtet, eine wichtige Funktion
übernommen hat als Zubringer für die Westumfahrung. Auf
ihr fließt heute wesentlich mehr Verkehr als in den Jahren zuvor,
was insbesondere an der Einmündung in die L 1142 zu einer verstärkten
Gefahrensituation führt. Wer in die L 1142 einfahren will, muss
viel Geduld und Übersicht mitbringen, damit er diese Gefahrenstelle
ohne Unfall passieren kann.
Wir sind aufgefordert, diese Gefahrenstelle, die sich dort bei der
Einmündung in die L 1142 neu gebildet hat, zu beseitigen. Auf
keinen Fall dürfen wir diese Gefahrenstelle vernachlässigen
und darauf warten, bis etwas passiert, denn ich bin, wie viele andere
Bürgerinnen und Bürger, die uns in den letzten Monaten hierauf
angesprochen haben, der Überzeugung, wenn es hier zu einem Unfall
kommt, wird es ein Unfall mit schwersten Folgen sein. Deshalb beantragen
wir, dass an dieser Stelle ein Kreisverkehr eingerichtet wird.
Zweitens: Baukindergeld
Die alternative Liste, dies ist unser zweiter Haushaltsantrag in diesem
Jahr, den ich anführen möchte, beantragt die Streichung
des Baukindergelds. Das Baukindergeld ist angesichts unserer angespannten
Kassenlage nicht mehr zeitgemäß.
Es profitiert davon nur eine kleine Anzahl von Familien, während
gleichzeitig an den Schulen dringende Maßnahmen nicht durchgeführt
werden können. In den Jahren 2009 und 2010 wurden circa 1,7 Millionen
Euro für Baukindergeld aufgewendet. Gleichzeitig gab es enorme
Engpässe bei der notwendigen Sanierung von Schulen und Kindergärten.
In den letzten Jahren wurde aus Geldmangel zum Beispiel an der Salierschule
nur die Hälfte aller Schulklassen mit neuen Möbeln ausgestattet,
die andere Hälfte sitzt nach wie vor auf 40 Jahre alten Stühlen.
Dennoch wird gleichzeitig das Baukindergeld weiter an wenige, privilegierte
Familien ausbezahlt.
Die finanziell angespannte Situation ist aber nicht der einzige Grund,
warum die ALI-Fraktion der Meinung ist, dass wir das Baukindergeld
nicht weiter aufrecht erhalten können.
Diese Vergünstigungen tragen nämlich zusätzlich dazu
bei, dass die Versiegelungspolitik in der Stadt weiter stark gefördert
wird. Wir können es uns aber aus ökologischen Gründen
nicht mehr leisten, weiter mit unserem wertvollen Gut Boden so umzugehen
und so zu tun, als hätten wir unendliche Reserven an Boden zur
Verfügung. Wie ich bereits an anderer Stelle gesagt habe, hat
sich die Mehrheit des Gemeinderats in einer einzigen Sitzung dafür
ausgesprochen, sage und schreibe 12 ha Land zu versiegeln. Wir sind
hingegen aufgefordert, finanzielle Anreize für eine nachhaltige
Stadtentwicklung zur Verfügung zu stellen. Wir denken hierbei
vorrangig an finanzielle Unterstützung von Modernisierungen,
die den Energieverbrauch in Altbauten senken.
Flächennutzungsplan
Lassen
Sie mich im Zusammenhang mit dem Flächenverbrauch kurz auf unseren
Flächennutzungsplan eingehen. In den letzten Jahren haben wir
viele Innenentwicklungsmaßnahmen ergreifen können. Wir
konnten mehrere größere Baulücken in unserer Stadt
schließen und bebauen.
Wir sind deshalb aufgefordert, Verzicht zu üben auf manche Gebiete
in unserem Flächennutzungsplan, von denen wir wissen, dass sie
ökologisch wertvoll sind. Die Argumentation, dass viele Grundstücke
im Flächennutzungsplan keine Kosten verursachen, wurde in der
letzten Planungsverbandsversammlung widersprochen. Jede überörtliche,
regionale wie überregionale, Maßnahme, sei es auch nur
eine Kabelverlegung, richtet sich nach den in den Flächennutzungsplänen
ausgewiesenen Flächen.Deshalb dürfen wir keine zusätzlichen
Planungskosten verursachen, und Flächen, von denen wir wissen,
dass sie künftig nicht bebaut werden, müssen aus dem Flächennutzungsplan
entnommen werden.
Schuldenkrise
Insgesamt
gesehen, hat der Haushaltsentwurf für 2012 keine Überraschungen
gebracht. Bedauerlicherweise lässt die Finanzplanung für
die Jahre 2013 - 2015 eine große Finanzierungslücke erkennen.
Die Schulden werden voraussichtlich weiter steigen und die Realisierung
wichtiger Projekte müssen vermutlich aus Kostengründen verschoben
werden. Durch die von der Bundesregierung angedachte Einkommenssteuerreform
drohen den Kommunen Einnahmeverluste von 900 Millionen Euro. Über
dem ganzen hängt zudem das Damoklesschwert der internationalen
Finanzkrise.
Ich wünschte mir, dass die Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem
Gemeinderat in der Lage wäre, eine Grundsatzdebatte darüber
zu führen, wie wir in den kommenden 3 bis 4 Jahren eine Nullverschuldung
eingehen können. Ich bin überzeugt davon, dass wir jetzt,
wo wir nach meiner Einschätzung alle gewünschten Prestigeobjekte
wie die Galerie, das Haus der Stadtgeschichte und so weiter realisiert
haben, eine gute Grundlage dafür haben, um über diese Möglichkeiten
der Nullverschuldung zu diskutieren.
Ausdrücklich
möchte ich mich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der
Stadt bedanken, die wiederum in diesem Jahr wie auch in den vergangenen
Jahren dazu beigetragen haben, dass man sich in Waiblingen sowohl
als Bürgerin und Bürger dieser Stadt als auch als Besucher
wohl fühlen kann.
Meinen
Redebeitrag beende ich mit einem kalabresischen Sprichwort:
Viatu
chin far'u pani, e amaru chin' aspetta a pitta!
Dies
bedeutet, etwas frei übersetzt: Lieber das Machbare angehen als
Illusionen und Utopien nachzugehen.
Vielen
Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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